Lebensweg

 

 

Erich Buchwald-Zinnwald

(1884 - 1972)

 

Erich Buchwald wurde am 14. September 1884 in Dresden geboren. Er war das fünfte Kind des Porzellanmalers Gustav Meyer Buchwald und seiner Frau Pauline, geb. Zschoche. Seine Großmutter mütterlicherseits war eine Schwester des bekannten Schöpfers des Dresdner Fürstenzuges Professor Wilhelm Walther. Zur Familie gehörten noch zwei Brüder und zwei Schwestern.
Für die Eltern war es sicher nicht einfach bei dem kargen Lohn, den der Vater mit
nach Hause brachte, die Familie zu ernähren. Dies verschlechterte sich zudem dramatisch als im November 1888 der Vater starb, der kleine Erich war da gerade einmal 4 Jahre alt.
Hanns der älteste Sohn der Familie, der ebenfalls ein Porzellanmaler war, musste nun die Familie versorgen. Erich und seinem zwei Jahre älteren Bruder Gustav fehlte der Papa besonders.

 

Ganz im Sinne der Familientradition begannen die beider Brüder zu zeichnen und malen. Sie gingen oft gemeinsam in die Natur versuchten Bäume, Gräser und Blumen auf Papier zu bannen.
Auf einem dieser Ausflüge, Erich war ungefähr 8 Jahre alt, zeichneten sie in Strehlen,
einem Nachbarort Dresdens, einen knorrigen und entlaubten Kirchbaum.
Ein freundlicher alter Herr schaute den beiden dabei über die Schulter und erfreute sich
des emsigen Gestrichels. Nach einer Weile sprach er sie an und forderte sie auf ihn
zu besuchen und ihre Zeichnungen mitzubringen. Das ließen sie sich natürlich nicht zweimal
sagen und standen bald darauf wieder vor ihm und übergaben ihm ihre Zeichnungen.
Jener freundliche Herr war kein Geringerer als der berühmte Hofrat und Professor
Weiland Simonson Castelli, der einer damals in Blüte stehenden Dresdner
Mal- und Zeichnenschule vorstand. Erstaunt über die Begabung der beiden Brüder bot
er ihnen an sie unentgeltlich in seiner Schule zu unterrichten. Erfreut sagten sie zu
und gingen fortan mit Begeisterung mehrmals die Woche zum Zeichenunterricht.
Ihr Ziel war es nun Künstler zu werden. Mit 17 Jahren trat Erich in die
Dresdner Kunstakademie ein, die er von 1903 - 1912 besuchte.
Er folgte damit seinem Bruder Gustav der kurz zuvor in die Akademie eingetreten war.
Erich kam zunächst in die Zeichenklasse von Professor Osmar Schindler und Richard Müller,
später dann in die Malklasse zu Carl Bantzer und schließlich in die Meisterklasse zu Gotthard Kuehl.
In der Akedemie konnte er sein handwerkliches Können vervollkommnen und vertiefen,
das rein Künstlerische kann ja weder gelehrt noch gelernt werden,
das muss der Künstler in sich haben und Erich hatte es in sich.

 

 Einen weiteren Schicksalsschlag erlitt der 18 jährige Erich im Juli 1903 als seine Mutter starb.
Auf sich alleine gestellt achtete er wenig auf seine Gesundheit.
Mit dem wenigen Geld wird es für ihn sicher auch nicht leicht gewesen sein
das Studium zu finanzieren und sich selbst über Wasser zu halten.
Der Verlust der Mutter, die ständige Geldnot der Druck und sein Studium waren sicher
die Ursache für das Auftreten eines Magenleidens. Deshalb musste er 1904 sein Studium unterbrechen und wurde nach Fürsprache von Professor Simonson Castelli zu einer
Familie Munscheid geschickt, die im erzgebirgischen Zinnwald ein Häuschen hatte.
Erholungsuchende versprachen sich damals, aufgrund der klaren reinen Bergluft,
der herben Schönheit und der Stille der Landschaft um und in Zinnwald eine Linderung
ihrer Leiden und eine Verbesserung ihrer Gesundheit. Dort sollte sich Erich erst einmal richtig auskurieren und wieder gesund werden. Frau Munscheid, geborene Reichel, pflegte den Studenten aufopferungsvoll und im Laufe der Zeit so etwas wie eine zweite Mutter für Erich.
Ihre Tochter Else Munscheid war ebenfalls Malerin. Mit der Familie Munscheid ging er im Herbst nach Loschwitz in ihr Haus “Alpenrose”. Er wurde herzlich in die Familie aufgenommen und blieb dort bis zu seiner Heirat im Jahre 1919. Dadurch kam er sehr oft für längere Aufenthalte nach Zinnwald und lernte die Schönheit dieses Landstriches auf dem Kamm des Osterzgebirges kennen und lieben. Diese Landschaft beeindruckte ihn tief und er fing an sie zu zeichnen und malen. Nach Verlassen der Kunstakademie ging er einen Weg den noch keiner vor ihm beschritten hatte.


Er wurde “der” Maler des Osterzgebirges.

 

 

Zum Ende des ersten Weltkrieges musste Erich Buchwald erneut einen schweren Schicksalsschlag verwinden, sein Bruder Gustav fiel 1918 in Belgien. Er war bereits vor dem Krieg unter dem Namen Gustav Meyer Buchwald ein bekannter Porträtmaler gewesen.

 

Ausschnitt aus einem Selbstporträt von  Gustav Buchwald

 

Das Leben musste weitergehen und Erich vertiefte sich in seine Arbeit, er malte Ölbilder, fertigte Kupferradierungen und Farbholzschnitte an. Er skizzierte, zeichnete und malte in Zinnwald, Georgenfeld, Altenberg, Geising und Rehefeld.

Rehefeld

Ein bedeutender Tag seinem Leben war der 16. Januar 1919, er feierte Hochzeit. Er heiratete die 26-jährige Marie Helene Pabst aus Oberrochwitz. Die einer wohlhabenden Familie abstammende Frau teilte fortan ihr Leben mit ihm. Ihre Ehe kennzeichnete ein Leben lang eine innige Verbundenheit Das frisch vermählte Paar ging zunächst auf Hochzeitsreise nach Garmisch-Patenkirchen,
wo das frisch vermählte Paar glückliche Tage verlebte.
In dieser Zeit entstanden auch aus dieser Region zahlreiche Holzschnitte.

 

Eheleute Buchwald zum Erntedankfest

 

Freude zog bei den Buchwalds ein, als im Oktober 1922 ein Sohn das Licht der Welt erblickte.
Er erhielt den Namen Gustav und wuchs in dem wunderbaren Anwesen der Familie, in der Oberrochwitzer Karpatenstraße 92, auf. Dort fand er mit dem großen Blumen- und Gemüßegarten, den Obstwiesen, jungen Birken- und Kiefernwäldchen ein ideales Gelände zum “Indianer spielen” vor. Erich war ein liebevoller und fürsorglicher Vater, der seinen Sohn so lange auf seinen Schulweg, durch den Rochwitzer Wald begleitete, bis dieser mit dem Fahrrad fahren konnte.

Das Wohnhaus der Familie Buchwald.
In der oberen Etage befand sich das Atelier.

Zimmer im Haus in der Karpatenstraße 92 in Oberrochwitz.

Selbstverständlich nahm Erich seinen Sohn auch mit nach Zinnwald in das Haus der Familie Munscheid, wo er mit den Nachbarskindern spielte und in den damals noch riesigen Sandhalden (Abraumhalden des Berbaus in Zinnwald) mit dem typischen weißen Sand herum kletterte. Erich wanderte mit seinem Sohn auch viel in Zinnwald und der Umgebung, das Skizzenbuch hatte er natürlich immer dabei.

 

 

In den Jahren 1928 - 1930 reiste die Familie zu Urlaubsaufenthalten nach Italien,
Florenz und Venedig. Dort besuchte Erich auch zahlreiche Museen und Galerien,
die seine ungeteilte Aufmerksamkeit fanden. In der Zeit von 1932 - 1936 besuchte
Erich auch die Schweiz, Wengen, Zermatt und St. Moritz waren seine Reiseziele.
Auswirkungen auf seine Arbeiten hatten dies Reisen aber nur in geringen Maße.
Es kamen etwas mehr Farben ins Spiel und die Blumenwiesen, besonders im
Tal der “Wilden Weißeritz” wurden Bestandteil seiner künstlerischen Tätigkeit.

 

Akelei

 

In den Nachkriegsjahren nach 1945 musste das Haus in Zinnwald Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden, sodass an eine Unterkunft in seinem geliebten Zinnwald nicht mehr zu denken war.

Auch der Sohn Gustav war in den Kriegswirren vorerst verschollen, er entschied sich dafür in der amerikanischen Besatzungszone (spätere Bundesrepublik Deutschland) zu bleiben und meldete sich 1945 über Umwege bei seinen Eltern. Erich war so froh über die Nachricht das sein Sohn lebt und es ihm gut ging, das er ein Bild malte und entsprechend unterzeichnete.


Sein Sohn fand eine neue Heimat in Krefeld-Bockum, wo er eine Frau fand und eine eigene Familie gründete, was besonders seine Mutter sehr glücklich machte. Umgeben von zahlreichen Bildern seines Vaters lebt er heute noch in Krefeld und bewahrt liebevoll das Andenken an seinen Vater.

 

Nachricht von Gustav

 

Einen herben Verlust erlitt Erich als Ostern 1952 seine geliebte Frau Marie Helene starb.
Sie hatte in den letzten Jahren mit viel Geduld und Aufopferung die beiden älteren Schwestern Erichs gepflegt und hatte nun selbst die Augen für immer geschlossen.

 

Er arbeitete weiter, aber in den Folgejahren verschlechterte sich zunehmend sein
Gesundheitszustand. Er erkrankte am grauen Star, was ihm das Malen in den
letzten fünfzehn Jahren immer mehr erschwerte. Bei einem Besuch bei seinem Sohn
in Krefeld ließ er sich mit Erfolg an einem Auge operieren.
Da die Versorgung seines Vaters aber nicht mehr gewährleistet war und sich die Gesundheit
Erichs auch immer mehr verschlechterte beantragte sein Sohn Gustav eine
Familienzusammenführung. 1968 reiste Gustavs Frau deshalb nach Dresden,
wo eine Freundin der Familie alle Anträge und Formulare so weit vorbereitet hatte
das nur noch eine Unterschrift, die angeblich erst kurz vor der Ausreise gegeben werden konnte,
fehlte. An dieser Unterschrift sollte die offizielle Ausreise zu diesem Zeitpunkt scheitern,
da der dafür Zuständige an dem besagten Tag nicht da war. Solche Schikanen
waren in der DDR, gerade bei diesem Thema, keine Seltenheit. Da das Visum von
Gustavs Frau aber auslief und sie in jedem Fall zum geplanten Termin zurück nach Krefeld
musste kam ihr die weise Voraussicht der Freundin zugute. Diese hatte vorsorglich auch
einen normalen Reiseantrag für Erich gestellt, der auch genehmigt war,
sodass sie ihn wenigstens darüber erst einmal mitnehmen konnte.
Da sich Erichs Gesundheitszustand aber weiter verschlechterte war an eine
Rückreise in die DDR aber nicht mehr zu denken. Das hatte zur Folge das die damaligen
DDR-Behörden Erich zwischenzeitlich als “Republikflüchtling” behandelten, was ihn sehr betroffen machte, da er sich in seinem ganzen Leben nie etwas zu Schulden kommen lassen hatte.

Später gelang es dann nach unzähligen Versuchen und Eingaben, das die Ausreise endlich doch noch legalisiert wurde. Er verbrachte die letzten Jahre in Krefeld, wo er sich auch recht wohl fühlte. Er zeichnete bis zuletzt mit Filzstiften, er malte Blumen aus dem Garten, aber auch Szenen aus seinem geliebten Zinnwald zeichnete er aus Erinnerungen die er aus dem Gedächtnis hervorholte.

Am 27. März 1972 starb Erich Buchwald-Zinnwald, der Maler des Osterzgebirges,
im 88 Lebensjahr in Krefeld. Geblieben sind seine Bilder, Farbholzschnitte und Zeichnungen,
die teils in privaten Besitz, teils in Museen und Galerien Zeugnis von einem Künstler geben,
der das Erzgebirge, aber vor allem die kleine Gemeinde Zinnwald in seinem Schaffen zum Thema machte.
Die Kunstwerke von Erich Buchwald- Zinnwald bereiten noch heute vielen Menschen große Freude.

 

 

 

 

 

 

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